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Sinn.Voll.Leben #003

Fühlen

 

In der aktuellen Ausgabe des österreichischen Magazins „Ursache & Wirkung“ las ich ein interessantes Interview mit dem Neuropsychologen Martin Grunwald, der sich der Erforschung des Tastsinns widmet. Eine wesentliche Erkenntnis ist seiner Meinung nach, dass der Tastsinn der einzige unserer Sinne ist, der Informationen von außen und von INNEN verarbeiten kann. „Jeder Mensch, auch der, der taub oder blind geboren wird, hat eine genaue innere Vorstellung von der räumlichen Struktur des eigenen Körpers“.

In meiner Arbeit und den vielen Begegnungen mit Menschen stelle ich immer wieder fest, dass viele von uns dabei sind zu verlernen, diese innere Vorstellung wahrzunehmen. Wir verlieren zusehends den Kontakt zu unserm Körper in Bezug aufs Fühlen. Beinahe jeden Tag fragt uns jemand: „Wie geht es dir?“ Und in den meisten Fällen lautet die Antwort schlichtweg: „Gut“. Und damit ist dieses Thema beendet. Selten werden wir gefragt: „Wie fühlst du dich in diesem Moment?“ und noch seltener entsteht daraus ein tiefer und ehrlicher Austausch über diese Empfindung. Wenn ich diese Frage in meinen Seminaren stelle, tue ich dies nicht, um die TeilnehmerInnen zum Seelenstriptease aufzufordern sondern vielmehr, um überhaupt einmal ins Fühlen des eigenen Körpers, der eigenen Gefühle und Gedanken zu gelangen. Deshalb ist es aus meiner Sicht wichtig, sich diese Frage täglich selbst zu stellen und sich ein paar Minuten Zeit zu nehmen, sich seines aktuellen Zustands des Körpers (als Einheit) bewusst zu werden. Gleichzeitig bringt es uns in den Moment, ins Jetzt. Wer sich damit schwer tut, kann als Hilfestellung versuchen, zwei bis drei Atemzüge bewusst zu verfolgen – von dem Einströmen der Luft durch die Nasenlöcher, dem Ausbreiten der Rippen durch das Füllen der Lungen mit Luft, das Entspannen der inneren Bauchmuskeln beim Einatmen und sich Heben der Bauchdecke bis hin zu einer kleinen Pause vor der Ausatmung, welche durch das Zusammenziehen der besagten Muskeln die Luft durch das Zwerchfell wieder noch oben schiebt, die Lungen leert und über Rachen und Mund (oder Nase) wieder ins Freie strömt. Auch nach der Ausatmung ist es gut, ein wenig zu warten, bis der Körper von selbst das Bedürfnis verspürt, wieder einzuatmen. Allein diese Beobachtung und Bewusstwerdung dieses komplexen Vorgangs, über den wir normalerweise im Alltag keinen Gedanken verschwenden, kann uns darüber Auskunft geben, wie wir uns im Moment fühlen.

Probiere es aus – es lohnt sich!

Herzlich, Klaus

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Kommentare: 1
  • #1

    Doris (Sonntag, 22 Juli 2018 20:04)

    Ja, das Atmen bringt uns ziemlich unmittelbar zu uns selbst. Nämlich genau in den Moment. Der Atem verdeutlicht uns, wenn wir ihn bewußt wahrnehmen, unseren gegenwärtigen Zustand. Das entlastet, da die Vergangenheit und die Zukunft ausgeblendet werden.

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